Langsam: Verdrängerfahrt
Der Rumpf trägt das Gewicht. Große benetzte Fläche und die vom Schiff erzeugten Wellen verursachen Widerstand.
Ein Flügel unter Wasser hebt den Rumpf aus den Wellen. Was wie eine Erfindung des modernen Boardsports wirkt, hat eine über hundertjährige Geschichte – mit einem bemerkenswerten deutschen Kapitel an der Elbe.
Ein Hydrofoil ist ein strömungsgünstiges Profil unter Wasser. Mit wachsender Fahrt erzeugt es Auftrieb. Weil Wasser rund 800-mal dichter als Luft ist, genügen vergleichsweise kleine Flächen, um große Kräfte zu erzeugen.
Der Rumpf trägt das Gewicht. Große benetzte Fläche und die vom Schiff erzeugten Wellen verursachen Widerstand.
Der Tragflügel erzeugt mit steigender Geschwindigkeit immer mehr dynamischen Auftrieb. Der Rumpf kommt höher aus dem Wasser.
Fast nur noch Streben und Flügel schneiden durchs Wasser. Rumpf-Reibung und Wellenbildung sinken stark – der Preis ist zusätzlicher Foil-Widerstand und technische Komplexität.
Der Ursprung ist international – doch Hanns von Schertel und die Sachsenberg-Werft in Roßlau an der Elbe machten das Tragflügelprinzip in den 1930er-Jahren zu einem systematisch entwickelten Schiffskonzept.
Der Italiener Enrico Forlanini demonstriert ein funktionsfähiges Tragflügelboot auf dem Lago Maggiore. Die Idee ist älter – nun wird sie praktisch überzeugend.
Der deutsche Ingenieur beschäftigt sich früh mit dynamischem Auftrieb im Wasser und entwickelt über viele Versuchsträger hinweg ein eigenes Tragflügelsystem.
Mit Gotthard Sachsenberg entsteht das Schertel-Sachsenberg-Schnellboots-Konsortium. Die Werft in Roßlau an der Elbe wird zu einem wichtigen Ort der deutschen Tragflügelentwicklung.
Nach dem Krieg wird die Entwicklung in der Schweiz mit Supramar fortgesetzt. Der PT 10 „Freccia d’Oro“ geht 1953 auf dem Lago Maggiore in planmäßigen Passagierbetrieb.
Friedrich Hermann Wendel entwickelt das „Wendel-Schnellschiff“. Die WSS 10 fährt in den 1950er- und 1960er-Jahren als Versuchsfahrzeug auf Elbe und Weser und erreicht etwa 25–30 kn.
HADAG bringt zwei Seaflight-P46-Tragflügelboote nach Hamburg. Über die gemeinsam mit Ulrich Harms gegründete Deutraf entsteht eine schnelle Verbindung zwischen Hamburg und Schulau. Die 30-sitzigen Boote verkehren zeitweise im Halbstundentakt; 1968 werden sie aufgelegt und 1971 nach Griechenland verkauft.
Foiling erreicht mit den AC72-Katamaranen den America’s Cup. Seitdem wird das Prinzip in immer mehr Segel- und Boardsportarten sichtbar.
Bei oberflächendurchstoßenden V-Tragflächen ändert sich beim Eintauchen die wirksame Foilfläche. Das kann eine passive stabilisierende Rückkopplung erzeugen – ein wichtiger Vorteil, bevor schnelle elektronische Regelungen verfügbar waren.
Die WSS 10 wurde in Hamburg gebaut und als Versuchsfahrzeug auf Elbe und Weser eingesetzt. Heute ist sie ein Exponat des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven.
Eine frei lizenzierte Fotografie der WSS 10 kann später leicht ergänzt werden; die Seite funktioniert derzeit vollständig ohne externe Bilddateien.
Die Entwicklung verlief nicht als eine einzige Baureihe, sondern in mehreren Konstruktionstraditionen. Die Auswahl zeigt, wie Tragflügelboote vom kleinen Pionierfahrzeug zu schnellen Fähren mit weit über hundert Fahrgästen wurden.
Zahlen gerundet bzw. als typische Hersteller-/Literaturangaben der jeweiligen Ausführung. Die Typenlinie ist bewusst eine Auswahl und keine vollständige Genealogie.
Die Elbe ist gleich mehrfach interessant: als Entwicklungsraum des Schertel-Sachsenberg-Systems, als Testrevier der WSS 10 und – tatsächlich – als Strecke eines kurzen kommerziellen Tragflügel-Schnelldienstes mit TRAF 1 und TRAF 2.
| Bauart | Was trägt das Fahrzeug? | Was passiert bei höherem Tempo? |
|---|---|---|
| Verdränger | Hydrostatischer Auftrieb des Rumpfs | Rumpf bleibt im Wasser; Wellen- und Reibungswiderstand bleiben prägend. |
| Gleitboot | Dynamischer Druck an der Rumpfunterseite | Der Rumpf hebt sich teilweise und „gleitet“, bleibt aber großflächig mit dem Wasser in Kontakt. |
| Tragflügelboot | Dynamischer Auftrieb an separaten Unterwasserflügeln | Der Rumpf kann nahezu vollständig aus dem Wasser kommen; Foils und Streben tragen das Fahrzeug. |
Die Sachsenberg-Werft in Roßlau lag direkt an der Elbe. Hier erhielt Schertels Ansatz die industrielle Schiffbaukompetenz, aus der das Schertel-Sachsenberg-System hervorging.
1965 nahm die HADAG zwei in Messina gebaute Seaflight-P46-Tragflügelboote in den Hamburger Verkehr auf. Für den Schnelldienst gründete die HADAG zusammen mit dem Bergungsunternehmer Ulrich Harms die Deutraf GmbH & Co. KG. TRAF 1 und TRAF 2 fuhren zwischen dem Hamburger Zentrum und Schulau zeitweise im Halbstundentakt. Die Elbe erwies sich mit dichtem Kleinschiffsverkehr und Treibgut jedoch als schwieriges Revier: 1968 wurden die Boote aufgelegt, 1971 nach Griechenland verkauft.
Ein geplanter Tragflügel-Schnelldienst nach Helgoland wurde nicht verwirklicht. Damit sind TRAF 1 und TRAF 2 ein besonders anschauliches, aber nur kurzes Kapitel der Hamburger Verkehrsgeschichte.
Das Grundprinzip blieb gleich; Material, Regelung und Maßstab änderten sich. Carbonfasern und präzise Profile brachten die Technik vom Passagierschiff zum Segelboot und schließlich unter ein Surfboard.
Durch rhythmisches Be- und Entlasten verändert der Fahrer Bahn und Anstellwinkel des Foils. So lässt sich Geschwindigkeit erhalten – ganz ohne Segel oder Motor.
Welle, Wing oder Kite liefert Vortrieb. Das Board verlässt die Wasseroberfläche und fährt deutlich ruhiger über kurzen Chop.
Vom Einhand-Dinghy bis zum America’s Cup: Foils reduzieren den hydrodynamischen Widerstand so stark, dass Segelboote Geschwindigkeiten erreichen, die weit über klassische Verdrängerfahrt hinausgehen.
Ein Elektromotor am Foil liefert den Vortrieb. Die Idee des Tragflügelboots wird damit buchstäblich zum persönlichen Wasserfahrzeug.
Der große Gewinn entsteht nur in einem geeigneten Betriebsbereich. Tragflügel reduzieren nicht „den Widerstand an sich“ – sie verschieben ihn vom Rumpf zu einem kleineren, hoch belasteten Flügelsystem.
„Foiling“ ist keine neue Physik. Neu sind Materialien, Sensorik, Regelung – und die Fähigkeit, dieselbe Idee vom Passagierschiff bis unter ein Surfboard zu skalieren.
Genau dieser Bogen macht das Thema für eine Webseite attraktiv: Eine technische Idee wandert durch ein Jahrhundert und taucht heute in einer völlig anderen kulturellen Welt wieder auf.